Tag 28: Zum Cruz de Ferro und weiter in das Weinanbaugebiet Bierzo bis nach Vega de Valcarce

E26_RabanalDelCamino-VegaDelValcarce
Motto: Der höchste Punkt des Camino und die längste Abfahrt sind heute das Thema

Der Sonnenaufgang und die Prognosen sagen Hitze voraus. Die erste Wärme am sehr frischen Start in Rabanel del Camino produziert der Körper selbst, denn es geht von 1.150m auf 1.504m auf 7,8 km; das sind immerhin im Durchschnitt eine Steigung von 4,6%.

Nach einer Stunde bin ich am Cruz de Ferro angekommen; es ist das Zwischenziel aller Pilger auf diesem Weg, die ihre Last, Sorgen und vielleicht auch Wünsche in Form eines Steins aus der Heimat ablegen. 
Mein Stein ist aus Schiefer aus den Niedermenniger Weinbergen, meiner neuen Heimat seit April 2017. Er ist mit unseren geografischen Koordinaten versehen und dokumentiert meine Statio am 08. Mai 2022. Vielleicht hilft er ein wenig bei dem Gedenken an das Ende des 2.Weltkrieges und der aktuellen Situation, wieder Frieden in Europa und der Welt zu bringen. #Ukraine#

Bis zum zweiten Gipfel heute morgen mit 1.450m sind es noch 5 km und ein paar Rampen mit 10-12% Steigung gilt es zu überwinden. Dazwischen liegt das verlassene Dorf Manjarín, wo nur noch eine sehr rustikale Herberge als Notstop dient; skurril ist es hier schon.

Dann winkt das Bierzo im Tal und da muss ich ja runter – 15-20 km mit Tempo 30-50 km/h ist ja auch trikky, aber der Bremsencheck vom Vortag lässt es zu; es sind immer noch meine ersten Bremsklötze seit mittlerweile fast 2.200 km.

In Molinaseca können die Bremsen auskühlen – ein Café con leche incl. Toilette sind notwendig – und ein Chokocroissant egalisiert den Zuckerspiegel.

Bei 35 km bin ich in Ponferrada mit seinem Castillo (gegen die Mauren im Mittelalter – das ist heute ständig Thema entlang des Camino). Auf meiner Suche nach einer Bäckerei werde ich nicht fündig – Sonntag ist alles zu, aber um 12 Uhr macht der McDonalds aus der Strecke am Stadtausgang auf und ich bin Kunde 001 mit McChicken und Cola.

Das nächste Castillo und Zeichen des Pilgerwegs gibt es dann in Cacabelos und Villafranca del Bierzo.
Mittlerweile habe ich alle wärmenden Sachen ausgezogen, denn die Sonne taucht die Landschaft auf 500m Höhe in gleizendes Licht und Wärme pur. Das wird dann auch für mich und die am Straßenrand wandernden Pilger eine Herausforderung. Es sind 20 km ständig leicht bergauf und kein Schatten, und das parallel zur relativ lauten Autobahn.

Schließlich lande ich am Ziel in dem einsamen Vega de Valcarce nach 78 km.

Die vorher ausgesuchte Herberge ist voll, aber er hat einen Kollegen mit einem privaten Zimmer. Es wird dann für mich ein ganzes Haus (gehandelte 25€); die Waschmaschine mit Kurzprogramm bringt die Sportwäsche auf Neustart und eine halbe Flasche Wein ist auch noch inklusive.

Im Restaurant bestelle ich später das Menu del Dia – das ist schon sehr üppig mit 3 Gängen und einem 1/2 Liter Bierzo-Rotwein. Aber das braucht der Radpilger. Denn morgen steht schon wieder ein Berg in der Frühe an, und den muss ich ja rauf.

Buen Camino

 

 

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