Meine Camino-Radtour 2022 nach Santiago de Compostela – ein Fazit

Meine Pilgertour hatte viele Stationen – vor der Tour – während der Tour – nach der Tour.

Vor der Tour
Da waren die vielen Gespräche, Recherchen, Planungen und Überlegungen vor der Tour. Und das Ganze spielte ja schon 2018/2019 in meinem Kopf und produzierte Gedanken und einen Spannungsbogen in mir und meinem Umfeld. Die analoge und digitale Literatur war schon länger Wegbegleiter in dem sich abzeichnenden Zieleinlauf für das Ende meines beruflichen Lebens. Internetrecherche und der Gedanke, dass Familie, Freunde und Interessierte diesen meinen Weg unmittelbar begleiten können, stellte sich dann als neue Herausforderung mit Erstellung eines Reiseblogs. Der Reiseweg ist ja durchaus vorgegeben. Da aber jeder Pilger seinen Weg beschreitet oder in meinem Falle fährt, liegt es auf der Hand, dass eigene Schwerpunkte auch den Camino bestimmen. Die praktische digitale Streckenplanung war durch meine langjährige Praxis bei der ehrenamtlichen Planung der Strecken für die Fairplay-Tour oder auch jetzt das Fairplay-Camp nicht die Herausforderung. Es wurden dann aber auch 51 Tage mit 48 Etappen, die genau und akribisch vorbereitet wurden; der klassische Reiseführer hat ja ausgedient – es sind die Touren-Tracks im gpx-Format mit allen vorliegenden Informationen über Länge und Höhe. Von Vorteil war hier auch, dass ich aber der Grenze zu Luxemburg/Frankreich auf das fast flächendeckende Material von Google StreetView zurückgreifen konnte und somit meinem Planungspfad im „LiveBild“  folgen konnte. Dies in Ergänzung von Reisebeschreibungen in Foren und Blogs sowie in Büchern mit den zur Verfügung stehenden digitalen Spuren war für mich sehr hilfreich und letztendlich in der Nachbetrachtung zielführend. So konnte ich dann auch mein persönliches Interessensprofil in die Etappen einbauen und dies führte dann im Nachhinein betrachtet auch zu diesen Pilgererlebnissen „Das ist mein Camino“!

Vor der Tour-CoronaZeit
Die nächste Statio wäre jetzt eigentlich „Während der Tour“. Aber hier gibt es ja eine fast zweijährige Sonder-Statio mit der weltweiten Corona-Pandemie; diese begann in unserem Europa dann auch pünktlich zu meinem angedachten Start im April 2020. Diese unfreiwillige Statio „zu Hause“ war dann auch erfahrungsreich. Neben dem täglichen Auf- und Ab, Impfstart, Impfstatus etc. wurde meine Verweilzeit mit „Kochen lernen“, „Organisieren im (Un)ruhestand“, „Ausdauersportarten Running und Radfahren“ und „Feintuning“ meiner geplanten Camino-Tour weitgehend sinnvoll genutzt. Es ergab sich dann im Spätsommer 2020, dass ich die Möglichkeit einer Camino-Rundreise auf dem Fahrrad auf deutschen Pilgerpfaden als Vor-Tour nutzte; von dieser Erfahrung sollte meine Camino-Tour 2022 sehr profitieren.

Während der Tour
Insoweit konnte ich dann im April 2022 mit dreifachem Impfstatus und „bisher coronafrei!“ losfahren. Die Statios während der Tour sind ja in allen 51 Tagesberichten nachzulesen und mit Bildern dokumentiert. Jeder Tag für sich betrachtet ist ein Step auf meinem Camino und jeder Tag wirkt nach. Es sind die täglichen kleinen Winke auf dem Weg und von Menschen an und auf diesem Weg. Es sind die monumentalen Zeitzeugen am Weg, die neugierig machen, Geschichte erleben lassen. Es sind auch die nicht immer friedlichen Zeichen der vergangenen Jahrhunderte auf einem kleinen Teil unseres Planeten, die nachdenklich machen, insbesondere vor dem Hintergrund des gestörten friedlichen Miteinanders in diesem Europa – #Ukraine! Auch das Eintauchen in die Höhlen der Archäologen entlang des Weges in Peche Merle (F) und Altamira (ES) zeigt, auf welch einem geschichtsträchtigen Weg ich unterwegs war. Und nicht zuletzt die erlebten und betrachteten Highlights von den Baumeistern des Mittelalters bis in die Moderne und das Hier und Jetzt. Das Spirituelle, die Kultur und die Menschen, denen ich begegnen durfte, sind das Essentielle dieses „Meines Camino“.

Nach der Tour
Mit ein wenig Abstand findet diese Nachbetrachtung statt und ist für mich als Ausdauersportler die Ziellinie am Ende des Jahres, in dem ich diesen Camino er“fahren“ durfte. Und das frei von Unfall und Krankheit, einmal von den üblichen Radfahrer-Unbilden mit „laufender Nase“ abgesehen. Aber es war ja auch ein Auf und Ab in dem Frühling 2022 mit Starttemperaturen nahe dem Gefrierpunkt, mit eigentlich nur 2 echten Regentagen bis hin zum Schnee am Fahrbahnrad auf 1.400 m Höhe. Die Sonne war in den 7 Wochen mein ständiger Wegbegleiter; der Wind war nur manchmal mein Gegner (eigentlich nicht erwähnenswert). Der Gegner war dann doch das ein oder andere Mal die Welle, der Hügel, der Berg, die Rampe. Über 40.000 Höhenmeter zeugen davon, dass die Landschaft nicht nur „Meseta“ ist. Die Geschichten der Wanderpilger erzählen hier ihre eigenen Erlebnisse. Zum Fazit gehört natürlich auch mein treuer Begleiter, mein Koga-Tourenrad, welches mich über diese 4.220 Kilometer getragen und ertragen hat. Es hat, ebenso wie augenscheinlich mein Körper, die Tour unbeschadet mit leichten Abnutzungserscheinungen überstanden. Ich vermute, dass mein Körper dies auch das ein oder andere Mal am Abend gezeigt hat, aber Gott sei Dank nur leise.
Es war eine tolle, körperlich durchaus strapaziernde Erfahrung, aber auch für meinen Geist und die Seele. In der Nachbetrachtung, bei der Zusammenstellung von Bildern für den ein oder anderen Bilderabend, bei der Auswahl der Bilder für den Fotokalender für meine Familie und Freunde (siehe unten) und beim Korrigieren der spät am Abend entstandenen Tagesberichte des Blogs ziehen diese Statios an mir vorüber und verursachen ein wenig Wehmut, aber auch Demut für die Möglichkeit dieses Tun und Handelns.

In Demut gilt es Danke zu sagen an meine Familie und meine Freunde für das geduldige Ertragen meines Tuns.
In Demut gilt es Danke zu sagen für die Möglichkeit, diesen meinen Weg zu gehen und zu er“fahren“.
Danke an Alle, die an meinem Camino Anteil haben wollten und wollen.

Buon Camino

28.12.2022

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