Von Kassel zum Weserradweg

Überquerung der Fulda in Kassel

Heute Morgen stehe ich vor dem Wecksignal um 6:15 auf – leichte Regentropfen werden vom Wind gegen die Fensterscheiben geweht. Die App prophezeit dies auch für die nächsten 90 Minuten. Ich packe das Fahrrad und parallel läuft der Kaffee in der Maschine durch – auch für einen ToGo in der Thermosflasche. Den Tipp von Frank und Ulli beherzige ich und kaufe beim REWE-Bäcker zwei Brötchen und meinen geliebten Einback. Der Regen ist nicht zu stark, sodass ich ohne Anorak unterwegs bin und bereits nach einer Stunde vor meinem Zeitplan im 20er Schnitt an der Schleuse Wahnhausen binHeute Morgen stehe ich vor dem Wecksignal um 6:15 auf – leichte Regentropfen werden vom Wind gegen die Fensterscheiben geweht. Die App prophezeit dies auch für die nächsten 90 Minuten. Ich packe das Fahrrad und parallel läuft der Kaffee in der Maschine durch – auch für einen ToGo in der Thermosflasche. Den Tipp von Frank und Ulli beherzige ich und kaufe beim REWE-Bäcker zwei Brötchen und meinen geliebten Einback. Der Regen ist nicht zu stark, sodass ich ohne Anorak unterwegs bin und bereits nach einer Stunde vor dem Zeitplan im 20er Schnitt an der Schleuse Wahnhausen bin. Mittlerweile ist es trocken geworden und der Verkehr mit bepackten Radgruppen nimmt zu.

Werbung zur Fahrrad-Rast an der Fulda

Wegen einer Baustelle am Radweg werde ich in Wilhelmhausen umgeleitet und sehe diese kleine unscheinbare ev. Kirche. Die Eingangstür ist offen – genau so wie das Motto im Schaukasten(s.u.). Ich gehe hinein, verweile etwas und der 1. Tagesstempel ist bei km 30 gesichert.

Romanische Marien-Basilika Wilhelmshausen (ca. 1145)
Offene Kirche an Fulda und Oberweser

Der nächste Halt mit Frühstückspause erfolgt dann nach 35 km in „Hann. Münden“ an der Mündung von Fulda und Werra. Der Kaffee und die Brötchen mit Minisalami vom Aldi tun gut. Als Nachtisch der Hefeeinback und getrocknete Apfelschnitts von Zuhause.

Dieser Ort hat eine besondere Tradition, da hier die Fulda und Werra sich vereinen und der Fluß Weser entsteht. Hierzu wurde unter einem uralten Kastanienbaum ein Gedenkstein mit dem Text des Weserlied errichtet.

Wo Werra sich und Fulda küssen Sie ihren Namen büssen müssen. Und hier entsteht durch diesen Kuss Deutsch bis zum Meer der Weser Fluss.
Eine interessante Botschaft

Bevor ich im Kloster Bursfelde einen Stopp einlege (mit Pilgerstempel) sehe ich am Wegesrand diese interessante Traktor-Skulptur.

Das Kloster Bursfelde liegt am Pilgerweg Loccum – Volkenroda mit angegliederter Herberge. (www.loccum-volkenroda.de) Es ist mit seiner über 900 Jahre alten Kirche ein geistliches Tagungszentrum der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers.

…ich komme an – ich suche mir einen platz und verweile – hier darf ich sein mit allem was ich mitbringe – ich breche wieder auf…
In der Marienkapelle

An der Weser tun noch viele Fähren ihren Dienst. Eine besondere unter den Gierseilfähren verbindet die Ufer bei Wahmbeck – für mich ist das heute bei 70 km. Ich liege gut in der Zeit, da es am Ende doch 113 Tageskilometer mit einem Schnitt von 18,7 km/h werden. Das sollte sich dann auch auszahlen.

Gierseilfähre

 

Das barocke Bad Karlshafen beeindruckt mich nicht so sehr, aber der ortsansässige Metzger bietet als Tagesgericht ab 11:30 Uhr „Hackbraten mit Salzkartoffeln und Wirsinggemüse“ für 6 € an; das lasse ich mir nicht zweimal sagen und mit Maske bewaffnet ergattere ich noch für 2 € ein Bitburger Radler af. Das ist bei 80 km und 12:30 Uhr genau das Richtige.

Premium Mittagstisch im Länderdreieck Hessen-NRW-Niedersachsen

Nach weiteren 30 km bin ich gegen 14:30 Uhr am Ziel in Höxter und seinem Weltkulturerbe Schloss Corvey angekommen. Der „Schlosswächter“ verweist mich mit meinem Packesel zum Radler Parkplatz. Da dieser ohne Aufsicht ist und das Schlossgespenst kein Erbarmen zeigt werden meine Radtaschen und der Packsack mit Seilschlössern durch die Felgen „gesichert“. Nachdem ich meine Eintrittskarte erworben habe nehme ich kurz mit meiner Herberge Kontakt auf und Karin meldet, das sie nach 16 Uhr zuhause ist. Der Rundgang ist vorgegeben, d.h. Kirche, Friedhof und dann das Schloss. In der Kirche erhalte ich dann auch meinem Pilgerstempel (für stolze 9,50 € Eintritt) und auf dem Friedhof finde ich auch das Grab von Hoffmann von Fallersleben.

St. Vitus (ab 1667) – erste Klosterkirche ab 822
Der Dichter des Deutschlandliedes und bekannter Kinderlieder

Mit Blitz und Donner und einsetzendem starken Regen flüchte ich in die Kirche und schaue mir in der nächsten guten Stunde das Schloss an. Da war ich ja froh, dass ich heute ein bisschen auf das Tempo gedrückt hatte – just in time.

In leichtem ausklingenden Nieselregen wurde ich von dem schön unter einem Dach sitzenden „Hausherr“ verabschiedet mit den Worten: „gute Weiterfahrt“. Na gut. Das Fahrrad stand noch mit allem da und nach kurzer Zeit konnte ich die 2 km zur Herberge in der Altstadt auf mich nehmen.

Modell des Klosters
Schloss Corvey im Modell

Bei Karin hatte ich einen herzlichen Empfang und konnte als erster Pilger 2020 das Gästezimmer beziehen. Sie hat den Altbau in 8 Jahren renoviert und mit eigenen Ideen gestaltet. Es gibt hier schon einige Schätzchen zu bewundern. Ihr Dalmatiner (1/2 Jahr) und ich gehen mit längerer Gesprächsdauer immer vertrauensvoller miteinander um. Die Einladung zum Abendbrot schlage ich nicht aus und Bio-Roséwein aus der Pfalz tauschen wir viele Gedanken zum Pilgern und über Gott und Welt aus.

Das gemeinsame Frühstück haben wir für 7:30 vereinbart, sodass ich morgen um 8 Uhr bei ca. 19 Grad in Richtung Paderborn starten kann. Es ist gutes Wetter bei 25 Grad gemeldet.

Im BuGa Gelände in Kassel

kj-run

• ich bin 1957 in Konz am Zusammenfluss von Saar und Mosel geboren • lebe im Ruhestand mit meiner Familie im Konzer Tälchen • bin DLV-Fachbereichsleiter für die Streckenvermessung von Straßenläufen • laufe lang und weltweit - All-Terrain bis Marathon • toure mit dem Fahrrad durch unser grenzenloses Europa • suche und nutze den fotografischen Augenblick

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Johannes Rau

    Lieber Karl-Josef
    … zeitlich liegt fast die Hälfte der unterschiedlichen Radpilgerwege, die Du Dir ausgesucht hast, hinter Dir. Sehr abwechslungsreiche Etappen kann der / die lesende Begleitung miterleben und sich mit Dir freuen über die Erlebnisse, Begegnungen, Eindrücke und ruhige Zeiten an besonderen geistlichen Orten. Ist nicht zugleich jeder zurückgelegte Kilometer und zugleich jeder vor Dir liegende kleine Streckenabschnitt wie eine Begegnungsgeschichte, die zuallererst in Deinem Herzen und Deiner Seele Heimat findet?
    Deine alternative Route zur eigentlich geplanten Santiago-Tour ist kurz aber sicher ähnlich reich an Prägendem.
    Danke, dass Du andere teilhaben lässt an Deinen Tagesetappen – ein Hauch von Seele und Pilgergeist kommt ja auch durch Deine Texte rüber.
    Ich wünsche weiterhin beseelte Rad-Pilger-Tage, viel Segen bei den inneren wie äußeren Erlebnissen, komm gut und unfallfrei voran und begeistert wieder zuhause an.
    Johannes

    1. kj-run

      Danke für die schöne Begleitung.
      Gerade sitze ich an Bericht von Höxter nach Paderborn- wieder eine spannende Geschichte.

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