Kulturreise auf dem Fuldaradweg

Jugendherberge Fulda

Das war ein tolles Frühstück und ich war erster in der Schlange. Denn ich wollte ja schon nach Zeitplan um 7:30 starten – aber das Frühstücksbuffet öffnete erst zur gleichen Zeit. Ok das ist ja kein Problem bei heute anstehenden 128 km.

Es fehlt auf dem Bild das Rührei.

Die Mini-Thermoskanne fülle ich mit Kaffee und dann komme ich um 8 Uhr weg – den Berg hinunter in die Nebelsuppe. Das hält sich dann auch fast bis 10 Uhr, sodass ich bis dahin schon fast 40 km geschafft habe (es wird heute ein Schnitt von 19,6 km/h lt. Auswertung sein). Unterwegs sehe ich vermehrt Läufer – und denke an meine Sonntagsläufer von der TG. Diese sind für ca. 1,5 – 2 Stunden seit 8:30 unterwegs – ich bin bald wieder dabei!

Ich fahre in den Ort Niederaula – dort gibt es eine kleine alte ev. Kirche – sie liegt nach den Infos an der Luther-Pilgerroute. Nebenan im Garten Predigt gerade die Pfarrerin sodass ich es wage hineinzugehen und mir den Stempel in den Pilgerpass zu drücken. Mittlerweile singt die Gemeinde ein mir nicht unbekanntes Lied (?) und dabei studiere ich die Einträge im beiliegenden Pilgerbuch.

Vielleicht ist es Fügung – durch diese Pause treffe ich auf dem Radweg nach Bad Hersfeld den Weltenbummler Uwe aus Basel. Ich passe mich an sein etwas gemächlichere Tempo an und es gibt bis zum Festspielhaus vieles zu erzählen. Er will heute noch nach Eisenach und weiter nach Polen – da er auch im Ruhestand ist lässt er sich bis zur Rückkehr nach Basel bis Oktober Zeit – und mit Zelt im Gepäck und ein bisschen wärmeren Klamotten ist das kein Problem, sagt er. Auf den vielen Reisen in den letzten 20 Jahren – er ist ungebunden – war er u.a. in Japan, Südkorea, Australien im Outback, Peru usw. und hat immer sein Fahrrad und seine 4 Taschen mit dabei – alles Handgepäck – sagt er verschmitzt, insbesondere wichtig für die deutschen Zugkontrolleure! Es ist alles reduziert auf das Wesentliche – da kann ich ja für meine Compostela-Tour irgendwann nach Corona einiges lernen. Wir tauschen im Park am Festivalgelände die Kontaktdaten aus und verabschieden uns.

Uwe im Gespräch vor den Schlossruinen Bad Hersfeld
Eine schönes Zeichen in Corona-Zeiten

Jetzt bin ich immer noch weit hinter dem Zeitplan hinterher. Heute Abend möchte ich ja doch in etwa pünktlich an meiner gebuchten airbnb von Frank in Berghausen vor den Toren Kassels ankommen – bis auf 5 Minuten klappt das auch.

Rotenburg an der Fulda

Hier kann ich von den nächsten Erlebnissen erzählen. Es ist mittlerweile heiß und die bisherigen 75 km sind schon merkbar. Ich weiß jetzt auch warum die Handgelenke schon wieder Ärger machen. Die Griffe mir den Lenkerhörnchen müssen anders eingestellt werden – verschiebe ich auf heute Abend da der Inbussatz in der Seitentasche ist und ich jetzt lieber meine Mittagsrast einlege – es ist genau 13 Uhr. Wo bekomme ich jetzt eine kalte Flasche Cola her – Herbert sagt immer: „Trink Cola, das ist wie Doping, aber ohne Doping“. Ok. Das obligatorische Eis fällt aus, dafür gibts beim Eisverkäufer 1,25 Liter Cola für stolze 5 € – bei diesem Preis fallen die Eisbällchen hinten runter.

Bei meiner kurzen Rast werde ich von einem radfahrenden Ehepaar über meine Tour und die Beweggründe angesprochen. Ich händige ihnen meine Visitenkarte mit der Blogadresse aus und ich grüße Sie dann später bei der Vorbeifahrt zum Abschied.

Fachwerkhäuser in Rotenburg

Bei der Vorplanung habe ich das nächste Highlight entdeckt. Es handelt sich um eine Fußgänger / Radfahrer „Fähre“ bei Binsförth mit Muskelkraft. Ich treffe hier mit zwei jungen Radfahrern ein, die mir seit Rotenburg im ähnlichen Tempo folgen. Das „Fährmann hol über“ fällt hier aus.

Ohne Kurbeln ist kein vorankommen!
Am Anfang gehts abwärts- die letzten 5 Meter sind dann schwerer!

Die Jungs verabschieden sich später von mir in Melsungen. Hier ist auch wieder Fachwerk angesagt. Es ist halb 4 am Nachmittag und Zeit für ein Essen. Mit 2 alkoholfreien Weizen gibts im Aussenbereich des Ratskeller (historisches Rathaus laut Reiseführer) Hähnchen Curry auf Indisch und interessante Fragen und Gespräche mit Gästen an den benachbarten Tischen. Ein Anruf bei Frank (airbnb) ist erforderlich weg. der Ankunftszeit – das passt zum Schluss auf 5 Minuten.

Das war dann allerdings noch ein Kraftakt, denn ich muss noch 2x von 150 m auf über 200 m – das Rauf und Runter nach über 110 km ist mit dem Lastesel schon schwer – aber ich habe ja noch Cola in meinen halb Liter Flaschen gebunkert. Nach dem letzten Anstieg quere ich noch einmal die Fulda auf die rechte Seite.

Die Fulda bei Fuldabrück-Berghausen

Einen herzlichen Empfang mit Abstand gibts bei Frank und Ulli. Im Dachgeschoss mache ich es mir gemütlich, dusche , entspanne und dann wird auf Einladung noch auf der Terrasse gegrillt (all incl.!) Cola und Radler und ein richtiges Bier sorgen für das Auffüllen des Wasserhaushalts. Wir tauschen interessante Dinge im Beisein von einem 1 jährigen Schäferhund aus – meine Scheu vor Hunden lässt nach. Mit Tipps für den Bäcker in der Nähe für Morgen in der Frühe verabschiede ich mich.

Mein fast täglicher abendlicher Anruf bei meiner Frau Marliese folgt. Sie gibt mir noch den Tipp die eingestellten Berichte auf Tippfehler zu untersuchen- dieser automatische Vorschlag auf dem iPad ist auch ganz gefährlich – ist mittlerweile so weit korrigiert. Im Weiteren begleitet mich Herbert auch telefonisch. Das ist gut so, kann ich doch auch hier wichtige Dinge zum Radfahren von einem überaus versierten Vielradfahrer erfahren. Und schließlich bin ich ja bei der letzten Übernachtung in Dollendorf (in der Nähe von Jünkerath) bei Ilse und Herbert zu Gast.

Das passt auch irgendwie zu meiner Tour (im Kloster Morschen an der Fulda)

 

kj-run

• ich bin 1957 in Konz am Zusammenfluss von Saar und Mosel geboren • lebe im Ruhestand mit meiner Familie im Konzer Tälchen • bin DLV-Fachbereichsleiter für die Streckenvermessung von Straßenläufen • laufe lang und weltweit - All-Terrain bis Marathon • toure mit dem Fahrrad durch unser grenzenloses Europa • suche und nutze den fotografischen Augenblick

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